„In einer Disconnecting World* steht ICUnet.Group seit 25 Jahren dafür, Menschen miteinander zu verbinden“, so Prof. Dr. Ernst Struck, der seit vielen Jahren ein wichtiger Partner der ICUnet.Group ist. Seit 2012 verantwortet er den Doppel-Masterstudiengang „Interkulturelles Management – Kulturwirtschaft“ (IKM) an der Türkisch-Deutschen Universität Istanbul (TDU) und Universität Passau. Doch wie gelingt es weiterhin, Brücken zu bauen, wenn Grenzen scheinbar weiter auseinandergehen? Welche Herausforderungen und Chancen bringt die aktuelle Weltlage mit sich? Und was bedeutet das für international agierende Unternehmen?
Das 25-jährige Jubiläum von ICUnet.Group ist die ideale Gelegenheit, einen Blick in die Zukunft zu werfen: Wie hat sich die globale Zusammenarbeit über die Jahre verändert und vor allem: Wie sehen die nächsten 25 Jahre aus? Welche Schlüsselkompetenzen sind notwendig, um global erfolgreich zu bleiben?
In den kommenden Monaten möchten wir wertvolle Lernimpulse aus der erfolgreichen Zusammenarbeit mit unseren geschätzten Partner*innen und Kund*innen teilen. Durch langjährige Partnerschaften mit zahlreichen Forschungseinrichtungen verbinden wir Wissenschaft und Praxis zu einem nachhaltigen Austausch. Eine davon ist die eingangs genannte TDU. Sie führt eines der wichtigsten wissenschaftlichen Austauschprogramme Deutschlands überhaupt.
Warum die Talentbrücke Deutschland-Türkei besonders spannend ist? Die 3 Takeaways für IHR Unternehmen vorab:
Bestehende Bildungsnetzwerke gezielt nutzen
Die deutsch-türkischen Beziehungen sind stetig gewachsen. Schon 1898 besuchte Kaiser Wilhelm II. die Deutsche Schule Istanbul – ein frühes Symbol für die enge Bildungs- und Kulturverbindung. Diese Anschlussfähigkeit lässt sich heute strategisch nutzen: Unternehmen profitieren, wenn sie ihre Talent- und Partnerschaftsstrategien bewusst an bestehende Programme, Hochschulkooperationen, Alumni-Netzwerke und Austauschformate andocken und daraus verlässliche Talent-Pipelines entwickeln.
Talentbrücke heißt: Prozesssicherheit & Integration – nicht nur Sourcing
Bei Fachkräftemangel entscheidet nicht allein, ob Talente verfügbar sind, sondern wie schnell sie ankommen, integriert werden und produktiv starten. Hier kann die Türkei Vorteile bieten – durch klare Anerkennungswege, Nähe zu europäischen Arbeits- und Servicekulturen, stabile Dokumentationsprozesse, geringe Reiseaufwände und teils schnelle Abläufe. Wichtig ist, diese Potenziale durch standardisierte Prozesse, gutes Onboarding und klare Verantwortlichkeiten zu heben.
Zusammenarbeit als Regionalhebel denken
Türkische Standorte können für deutsche Unternehmen eine Brückenfunktion in Nachbarregionen übernehmen – wenn Teams kulturell „übersetzen“, Marktlogiken verstehen und Beziehungen aktiv stabilisieren. Dafür braucht es klare Rollen, saubere Schnittstellen, nachvollziehbare Entscheidungswege und interkulturelle Kompetenz, damit Zusammenarbeit nicht nur funktioniert, sondern strategisch Wirkung entfaltet.
Prof. Dr. Ernst Struck – Einblicke und Expertise:
Für das erste Interview unserer Jubiläums-Dialogreihe haben wir Prof. Struck näher zu dieser Talentbrücke zwischen Orient und Okzident befragt. Schließlich vermittelt er nicht nur akademisches Wissen, sondern treibt auch die praktische Anwendung interkultureller Kompetenzen in Unternehmen voran. Im letzten
Kooperationsprojekt mit den Studierenden ging es um die hochaktuelle Frage: Wie können türkische Standorte deutscher Großunternehmen die Mittelmachtposition der Türkei für Geschäfte mit den Nachbarstaaten nutzen?
Angesichts der geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Disparitäten spricht Prof. Struck von einer Disconnecting World. Dies zeigt sich exemplarisch in den deutsch-türkischen Beziehungen. Trotz der Herausforderungen wurden im Jahr 2024 rund 9.200 in der Türkei erworbene Abschlüsse in Deutschland anerkannt – mehr als aus jedem anderen Drittstaat (Statistisches Bundesamt, 2025). Aktuell sind rund 17 % aller Beschäftigten in Deutschland ausländischer Herkunft (Bundesagentur für Arbeit, 2025).
„Menschen mit bi-kulturellem Hintergrund [...] werden immer mehr gesucht und es wird mehr Wert daraufgelegt, dass kulturelle Verschiedenheiten ein Geschenk sind und dass man diese unterschiedlich einsetzen kann, auch in Unternehmen“, so erlebt es auch IKM-Studentin Esma Tuzcu.
Doch was passiert, wenn kulturelle Unterschiede missverstanden werden? Laut einer Erasmus+ Studie haben 60% der Unternehmen weltweit angegeben, dass dies zu erheblichen Produktivitätsverlusten führen kann. Jonas Brand, ebenfalls IKM-Student, bringt es auf den Punkt: „Jede Person wird durch eine Vielzahl von Kulturen geprägt, daher sollten wir erstmal verstehen lernen, was sie wirklich meint und bereit sein, die eigene Perspektive nicht als die alleinige zu begreifen, denn man kann von der anderen Perspektive immer lernen.“
Hierzu erläutert Prof. Struck: „Für eine Zusammenarbeit im globalen Kontext ist eine wissensbasierte Grundlage sehr entscheidend. Genau deshalb sind Studiengänge wie Interkulturelles Management so wichtig [...]. Wir müssen verstehen, wie andere Kulturen miteinander umgehen, diskutieren und ihre Ideen aushandeln können. Dazu bedarf es einer großen interkulturellen Kompetenz, wie ich sie bei der ICUnet.Group erlebe, die ja aus der Universität Passau heraus gegründet wurde.“
Möchten Sie mehr zu interkultureller Qualifizierung lesen? Hier erfahren Sie mehr über Kulturkompetenzen oder über qualifizierte Fachkräftemigration.